Berlin/Hamburg, 05.11.2021 – Der dramatische Anstieg der Energiepreise wird zwangsläufig zu höheren Lebensmittelpreisen führen, wenn die künftigen Koalitionäre nicht die richtigen Weichen stellen. Der Bundesverband Agrarhandel e. V. und der Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse e. V. haben sich daher gestern gemeinsam mit acht weiteren Verbänden der Agrarwirtschaft an die Verhandler der Ampel-Koalition gewandt. Die Verbände forderten die Politiker auf, im Rahmen der laufenden Koalitionsverhandlungen der Bezahlbarkeit von Energieversorgung eine hohe Priorität einzuräumen.

Die Produktion von Düngemitteln beispielsweise ist sehr energieintensiv. Die gestiegenen Energiepreise realisieren sich in der gesamten Lebensmittel-Wertschöpfungskette und ihre Auswirkungen auf die Verbraucherpreise werden durch die exorbitant gestiegenen Düngemittelpreise noch verstärkt. Einige Industrieunternehmen haben bereits angekündigt, die Düngemittelproduktion zu drosseln, da diese aktuell wirtschaftlich nicht mehr möglich ist. Können die Kulturpflanzen aufgrund ungenügender Verfügbarkeit nicht im notwendigen Maß mit Nährstoffen versorgt werden, drohen Ernteeinbußen.

Das Problem der steigenden Energiepreise ist nicht nur ein akutes, sondern ein strukturelles: Die Verbände wiesen darauf hin, dass die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Agrarwirtschaft auch durch einige nationale und europäische Gesetzgebungsverfahren im Bereich der Energiepolitik gefährdet wird. So fehlen beispielsweise in der BEHG-Carbon-Leakage-Verordnung zahlreiche Branchen in der Liste der begünstigten Sektoren. Aus Sicht der Verbände bedarf diese Liste einer grundlegenden Überprüfung und Erweiterung. Im Bereich der Agrar- und Ernährungswirtschaft besteht die reelle Gefahr der Abwanderung ins Ausland, gerade von Bio-Betrieben, die ohnehin über weitere Strecken handeln. Auch im Rahmen der Änderung der Leitlinien für staatliche Beihilfen für Klima, Umweltschutz und Energie sollen die beihilfeberechtigten Branchen und die Beihilfehöhen massiv reduziert werden. Viele Unternehmen, die damit aus der besonderen Ausgleichsregelung des EEG fallen, werden damit im internationalen Wettbewerb schlechter gestellt.

Darüber hinaus sieht die Neufassung der EU-Energiebesteuerungsrichtlinie eine höhere Mindestbesteuerung für fossile Brennstoffe vor. Dadurch ist mit weiter steigenden Kosten zu rechnen, vor allem, weil Gas noch geraume Zeit als Brückentechnologie unverzichtbar bleiben wird.

Damit die Unternehmen der Agrarbranche auch weiterhin ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten können, brauchen sie betriebswirtschaftlich sinnvolle Spielräume und Planungssicherheit. Die zukünftige Bundesregierung ist aufgefordert, diese sicherzustellen und damit ihren Beitrag zu leisten, die Produktion qualitativ hochwertiger Lebensmittel in Deutschland auch in Zukunft sicherzustellen.

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