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BVA e.V. und VdG e.V. setzen Hoffnung in konstruktiven Dialog mit Grün-geführten Ministerien BMEL und BMU

BVA e.V. und VdG e.V. setzen Hoffnung in konstruktiven Dialog mit Grün-geführten Ministerien BMEL und BMU

Berlin / Hamburg, 9. Dezember 2021. Gestern wurde die neue Bundesregierung vereidigt. Der Bundesverband Agrarhandel (BVA) e.V. und der Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse (VdG) e.V. gratulieren dem neuen Bundeskanzler Olaf Scholz und seinen Ministerinnen und Ministern aus SPD, Grünen und FDP. Vor allem die Besetzung der Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMU) hatten die Agrarhändler in den vergangenen Wochen aufmerksam beobachtet. Beide gingen nun an die Grünen: Cem Özdemir leitet künftig das BMEL, Steffi Lemke das BMU.

„Dass nun beide Ministerien von Personen derselben Fraktion geführt werden, lässt erwarten, dass sie in Zukunft effektiver zusammenarbeiten werden“, prognostiziert Martin Courbier, Geschäftsführer des BVA e.V.. „Von Cem Özdemir erhoffen wir uns, dass er seiner sachlichen Linie auch bei kontroversen landwirtschaftlichen Themen treu bleibt. Ich nehme ihn als integren, vertrauenswürdigen Realpolitiker wahr, der sich nicht scheut, Dinge offen und ehrlich anzusprechen. Das wird der Debatte um die zukünftige Ausrichtung der Land- und Agrarwirtschaft guttun. Und Steffi Lemke bringt als Agrarwissenschaftlerin Sachverstand auch für BMEL-Themen mit, was eine gute Voraussetzung für konstruktive Gespräche zwischen den Ministerien ist.“

„Dass nun beide Ministerien von Personen derselben Fraktion geführt werden, lässt erwarten, dass sie in Zukunft effektiver zusammenarbeiten werden.“

Martin Courbier, Geschäftsführer des BVA e.V

Christof Buchholz, Geschäftsführer beim VdG e.V., wünscht sich, dass die neu geführten Ministerien zukunftsorientiert voranschreiten, die Bedeutung des internationalen Agrarhandels für die globale Lebensmittelversorgung anerkennen und Innovationen stärken: „Ertragsstarke Regionen müssen optimal genutzt werden. Die Lebensmittel gilt es dann international zu verteilen, um Angebot und Nachfrage auszugleichen. So werden weniger Ressourcen verbraucht, als es bei einer auf reine Selbstversorgung zielenden Produktion der Fall wäre. Ein freier internationaler Agrarhandel ist dafür unerlässlich. Auch Innovationen, wie beispielsweise neue genomische Techniken, gilt es zu stärken. Innovationen tragen dazu bei, dass Deutschland in der landwirtschaftlichen Erzeugung wettbewerbsfähig bleibt, ihre Nachhaltigkeit noch weiter verbessert und den Anschluss an den Weltmarkt behält.“

Über den VdG:

Der Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse e.V. (VdG) ist seit über 150 Jahren am Welthandelsplatz Hamburg das anerkannte und offizielle Sprachrohr und die Interessenvertretung des internationalen Groß- und Außenhandels mit Getreide, Ölsaaten, Futtermitteln, Hülsenfrüchten, Fischmehl und Speisesaaten. Er agiert als Dienstleister für seine Mitglieder und darüber hinaus als Partner von Verwaltung, Politik und Wirtschaft in Berlin, Bonn und Brüssel.

Kontakt:
Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse e.V.
Christof Buchholz
Adolphsplatz 1
20457 Hamburg
Tel: +49 (0)40-369879-16
E-Mail: buchholz@vdg-ev.de

Bildnachweis: Deutscher Bundestag / Tobias Koch

Dramatisch steigende Energiepreise – Künftige Bundesregierung muss Perspektiven schaffen

Dramatisch steigende Energiepreise – Künftige Bundesregierung muss Perspektiven schaffen

Berlin/Hamburg, 05.11.2021 – Der dramatische Anstieg der Energiepreise wird zwangsläufig zu höheren Lebensmittelpreisen führen, wenn die künftigen Koalitionäre nicht die richtigen Weichen stellen. Der Bundesverband Agrarhandel e. V. und der Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse e. V. haben sich daher gestern gemeinsam mit acht weiteren Verbänden der Agrarwirtschaft an die Verhandler der Ampel-Koalition gewandt. Die Verbände forderten die Politiker auf, im Rahmen der laufenden Koalitionsverhandlungen der Bezahlbarkeit von Energieversorgung eine hohe Priorität einzuräumen.

Die Produktion von Düngemitteln beispielsweise ist sehr energieintensiv. Die gestiegenen Energiepreise realisieren sich in der gesamten Lebensmittel-Wertschöpfungskette und ihre Auswirkungen auf die Verbraucherpreise werden durch die exorbitant gestiegenen Düngemittelpreise noch verstärkt. Einige Industrieunternehmen haben bereits angekündigt, die Düngemittelproduktion zu drosseln, da diese aktuell wirtschaftlich nicht mehr möglich ist. Können die Kulturpflanzen aufgrund ungenügender Verfügbarkeit nicht im notwendigen Maß mit Nährstoffen versorgt werden, drohen Ernteeinbußen.

Das Problem der steigenden Energiepreise ist nicht nur ein akutes, sondern ein strukturelles: Die Verbände wiesen darauf hin, dass die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Agrarwirtschaft auch durch einige nationale und europäische Gesetzgebungsverfahren im Bereich der Energiepolitik gefährdet wird. So fehlen beispielsweise in der BEHG-Carbon-Leakage-Verordnung zahlreiche Branchen in der Liste der begünstigten Sektoren. Aus Sicht der Verbände bedarf diese Liste einer grundlegenden Überprüfung und Erweiterung. Im Bereich der Agrar- und Ernährungswirtschaft besteht die reelle Gefahr der Abwanderung ins Ausland, gerade von Bio-Betrieben, die ohnehin über weitere Strecken handeln. Auch im Rahmen der Änderung der Leitlinien für staatliche Beihilfen für Klima, Umweltschutz und Energie sollen die beihilfeberechtigten Branchen und die Beihilfehöhen massiv reduziert werden. Viele Unternehmen, die damit aus der besonderen Ausgleichsregelung des EEG fallen, werden damit im internationalen Wettbewerb schlechter gestellt.

Darüber hinaus sieht die Neufassung der EU-Energiebesteuerungsrichtlinie eine höhere Mindestbesteuerung für fossile Brennstoffe vor. Dadurch ist mit weiter steigenden Kosten zu rechnen, vor allem, weil Gas noch geraume Zeit als Brückentechnologie unverzichtbar bleiben wird.

Damit die Unternehmen der Agrarbranche auch weiterhin ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten können, brauchen sie betriebswirtschaftlich sinnvolle Spielräume und Planungssicherheit. Die zukünftige Bundesregierung ist aufgefordert, diese sicherzustellen und damit ihren Beitrag zu leisten, die Produktion qualitativ hochwertiger Lebensmittel in Deutschland auch in Zukunft sicherzustellen.

Über den VdG:

Der Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse e.V. (VdG) ist seit über 150 Jahren am Welthandelsplatz Hamburg das anerkannte und offizielle Sprachrohr und die Interessenvertretung des internationalen Groß- und Außenhandels mit Getreide, Ölsaaten, Futtermitteln, Hülsenfrüchten, Fischmehl und Speisesaaten. Er agiert als Dienstleister für seine Mitglieder und darüber hinaus als Partner von Verwaltung, Politik und Wirtschaft in Berlin, Bonn und Brüssel.

Kontakt:
Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse e.V.
Christof Buchholz
Adolphsplatz 1
20457 Hamburg
Tel: +49 (0)40-369879-16
E-Mail: buchholz@vdg-ev.de

Bildnachweis: Matthew Henry / Unsplash

VdG e.V. formuliert Positionen zur Bundestagswahl 2021

VdG e.V. formuliert Positionen zur Bundestagswahl 2021

Hamburg, 2. September 2021. Der Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse (VdG) e.V. formuliert zur Bundestagswahl 2021 vier Empfehlungen an die zukünftige Bundesregierung: Der internationale Agrarhandel sollte gestärkt und ertragsstarke Regionen genutzt werden. Innovationen in der landwirtschaftlichen Erzeugung und im Agrarhandel müssten ermöglicht und gefördert werden. Neue Züchtungstechniken (NZT) müssten auf EU-Ebene rechtlich klar eingeordnet werden, um für Unternehmen Rechtssicherheit zu schaffen. Das europäische Lieferkettengesetz sollte sich an den Standards des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes der Bundesrepublik orientieren. Für diese Ziele sollte sich die neue Bundesregierung auch auf EU-Ebene einsetzen.

1. Die neue Bundesregierung sollte ertragsstarke Regionen und den internationalen Agrarhandel stärken, um die Versorgung Deutschlands mit vielfältigen Agrarerzeugnissen sicherzustellen als auch global zur Lebensmittelversorgung beizutragen.
Seit einigen Monaten bewegen sich die Preise für Getreide und Ölsaaten auf einem historisch hohen Niveau. Damit dieses sich nicht dauerhaft etabliert und letztendlich auf die Verbraucherpreise niederschlägt, muss ausreichend produziert werden. Agrarprodukte sollten daher vorrangig dort erzeugt werden, wo Ressourcen in ausreichender Menge zur Verfügung stehen und effizient genutzt werden können. In vielen Regionen Deutschlands sind die Voraussetzungen für eine hohe und nachhaltige Produktion gegeben. Klima und Boden begünstigen den Anbau vieler Agrarerzeugnisse, wie Weizen, Gerste, Roggen oder Raps, und auch Technikexpertise, Fachkräfte und Infrastruktur tragen zu guten Erträgen bei. In anderen Weltregionen lassen sich andere Produkte optimal erzeugen. Der internationale Handel schafft anschließend global Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage. Beides – ertragsstarke Regionen und Agrarhandel – gilt es, auf nachhaltige Weise zu nutzen und zu stärken.

2. Die neue Bundesregierung sollte Innovationen erleichtern und fördern, die die Landwirtschaft und den multilateralen Handel noch effizienter gestalten und so dazu beizutragen, dass der Weltbevölkerung nachhaltig erzeugte, hochwertige und erschwingliche Lebensmittel global zur Verfügung stehen.
Damit Landwirtschaft und Lebensmittelwertschöpfungskette die steigenden Nachhaltigkeitsansprüche auch in Zukunft erfüllen können, benötigen sie neue Technologien, digitale Systeme, risikoarme Pflanzenschutzmittel oder auch Neue Züchtungstechniken (NZT). Das Potential solcher Innovationen gilt es nutzbar zu machen, indem bestehende Systeme anerkannt und entsprechende rechtliche Regelungen geschaffen werden.

3. Die neue Bundesregierung sollte sich für die rechtlich klare Einordnung Neuer Züchtungstechniken (NZT) auf EU-Ebene einsetzen, um für Unternehmen Rechtssicherheit zu schaffen und weiterhin Importe aus Ländern zu ermöglichen, die bereits NZT anwenden.
Nicht nur bieten Neue Züchtungstechniken, wie zum Beispiel Genome Editing, Potential in der Anwendung, das derzeit ungenutzt bleibt, auch beeinträchtigt das veraltete EU- Recht den Handel. Beispielsweise in den USA, einem der weltweit wichtigsten Getreideexportländer, unterliegen genom-editierte Pflanzen ohne artfremdes genetisches Material keiner GVO-Regulierung und werden demnach nicht gekennzeichnet. Bislang ist es auch nicht möglich, allgemeingültig nachzuweisen, ob Rohwaren von genom-editierten oder konventionell gezüchteten Pflanzen stammen. Dies stellt Unternehmen, die Rohwaren international handeln oder weiterverarbeiten, vor große Herausforderungen, die wiederum mit einer hohen Rechtsunsicherheit verbunden sind. Das EU-Recht gilt es so zu modernisieren, dass Importeure Rechtssicherheit erlangen und Deutschland und die EU uneingeschränkt an den Weltmarkt angeschlossen sind.

4. Die neue Bundesregierung sollte sich bei der Ausgestaltung eines Lieferkettengesetzes auf EU-Ebene einbringen und sich dafür einsetzen, dass sich dessen Standards an dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz der Bundesrepublik orientieren.
Mit ihrem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz ist die Bundesrepublik Vorreiter für rechtliche Regelungen zur Stärkung der menschenrechtlichen und umweltbezogenen Sorgfaltspflichten im unternehmerischen Handeln. Es gilt gleiche Voraussetzungen und Standards für alle EU-Länder zu schaffen, um die Einhaltung der Menschenrechte und Umweltstandards in den Lieferketten, eine verträgliche Belastung der Unternehmen und fairen Wettbewerb zu gewährleisten.

Über den VdG:

Der Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse e.V. (VdG) ist seit über 150 Jahren am Welthandelsplatz Hamburg das anerkannte und offizielle Sprachrohr und die Interessenvertretung des internationalen Groß- und Außenhandels mit Getreide, Ölsaaten, Futtermitteln, Hülsenfrüchten, Fischmehl und Speisesaaten. Er agiert als Dienstleister für seine Mitglieder und darüber hinaus als Partner von Verwaltung, Politik und Wirtschaft in Berlin, Bonn und Brüssel.

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Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse e.V.
Christof Buchholz
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Bildnachweis: Claudio Schwarz / Unsplash

Handel ist Wandel – Die Hamburger Getreidebörse von ihrer Geburtsstunde bis heute

Handel ist Wandel – Die Hamburger Getreidebörse von ihrer Geburtsstunde bis heute

Es war 1558: Hamburger Kaufleute erwirkten beim „Ehrbaren Rat der Stadt Hamburg“ das Recht, sich einen Platz an der Trostbrücke in Hamburgs früherem Hafenareal herzurichten. Sie verband damals die bischöfliche Altstadt rund um Dom und Petrikirche mit der gräflichen Neustadt. Hier kamen sie täglich zusammen, um Qualitäten zu vergleichen und zu handeln. Dies war die Geburtsstunde der Hamburger Börse, einer der ältesten deutschen Börsen überhaupt. Schon damals war die Hamburger Börse von zwei Ideen geprägt: Eine internationale Ausrichtung verbunden mit einem starken Gemeinschaftssinn.

Tradition, gepaart mit ständiger Bereitschaft zur Innovation und zur Anpassung an den sich wandelnden Markt ist auch heute noch Leitbild hanseatischer Händler. Und viele Börsen haben von damals bis heute überdauert: die Hanseatische Wertpapierbörse, die Kaffeebörse, die Börsen der Versicherungswirtschaft und Hausmakler und so auch die Hamburger Getreidebörse. Die Getreidebörse ist dabei die letzte aktive existierende „Warenbörse“.

Die Börse dient dem Handelsgeschäft

Doch was ist eigentlich die Aufgabe einer Warenbörse? Ursprünglich ging es darum, die wirtschaftlichen Interessen der Börsenmitglieder zu fördern. Die Hamburger Getreidebörse bot beispielsweise ein Forum, wo Händler und Makler Geschäfte mit Getreide, Ölsaaten, Futtermitteln, Hülsenfrüchten oder Saatgut anbahnten und vermittelten.

Auch heute noch dient die Hamburger Getreidebörse dem Agrar-Handelsgeschäft. Sie gibt u.a. die Hamburger Futtermittelschlussschein und weitere Formularkontrakte heraus. Diese sollen helfen, Verträge fair abzuwickeln und Streitigkeiten zu verhindern. Sie sind öffentlich verfügbar und stehen hier zum Download bereit. Jeden Dienstag stellt die Notierungskommission der Getreidebörse zudem die Kassamarktpreise franko Hamburg für mehrere Getreidesorten, Futtermittel und Hülsenfrüchte fest und veröffentlicht sie als Preisorientierung für die Branche. Der Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse e.V. ist der Träger der Hamburger Getreidebörse. Er führt zugleich ihre Geschäfte.

Auch in Zeiten der Digitalisierung bleibt die Börse lebendig

Früher trafen sich die Getreidehändler mit Ihren Warenproben täglich. Heute kommen die Marktteilnehmer dreimal im Jahr zu überregionalen Börsen in der Handelskammer Hamburg zusammen: Jeden Januar, April und August drängen sich bis zu 700 Teilnehmende in den Börsensaal. Sie sichten das Angebot der ausstellenden Unternehmen, teilen Marktinformationen und diskutieren darüber, schließen Geschäfte ab und pflegen Kontakte. Der tägliche Handel erfolgt heute weitgehend per Internet, E-Mail und Telefon – das Leben an den Börsen hat sich geändert, aber das persönliche Treffen hat nicht an Wert verloren. Es ebnet auch heute noch den Weg für reibungslose Geschäfte. Wir freuen uns, dazu beizutragen und das Börsenleben in Hamburg mit allen Börsenbesuchern lebendig zu halten.

Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz – Von der Selbstverpflichtung zum grenzübergreifenden Standard

Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz – Von der Selbstverpflichtung zum grenzübergreifenden Standard

Internationaler Handel trägt dazu bei, Armut zu reduzieren. Das ließ sich dort beobachten, wo Länder in den vergangenen Jahren ihren Import und Export ausgebaut und sich so an den Weltmarkt angeschlossen haben.

Doch die immer weiter verzweigten, globalen Lieferketten bringen Herausforderungen mit sich – und Verantwortung für alle Akteure. Sind die Lebens- und Arbeitsbedingungen fair? Die Löhne angemessen? Wer kontrolliert, dass Menschenrechte und Umweltstandards eingehalten werden? Für eine transparente und nachhaltige Lieferkette soll künftig das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz sorgen.

2016 hatte die Bundesregierung den „Nationalen Aktionsplan für Menschenrechte und Wirtschaft“ erlassen. Viele Unternehmen hatten darauf mit individuellen Selbstverpflichtungen reagiert. In 2020 fragten dann das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bei über 2000 deutschen Unternehmen ab, welche Maßnahmen sie bereits auf freiwilliger Ebene umgesetzt hatten. Das Ergebnis war ernüchternd – so konnte die Einhaltung der Menschenrechte insbesondere bei Zulieferern oft noch immer nicht gewährleistet werden. Als Konsequenz kündigte die Bundesregierung das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz an, das jetzt im Juni von Bundestag und Bundesrat verabschiedet wurde. Im Oktober soll es veröffentlicht werden und voraussichtlich Anfang 2023 in Kraft treten. Zunächst soll es nur für Unternehmen gelten, die mindestens 3.000 Mitarbeiter in Deutschland beschäftigen. Ein Jahr später soll diese Schwelle auf 1.000 Beschäftigte sinken.

Bereits jetzt setzen sich viele Unternehmen freiwillig für Fairness und Transparenz in ihrer Lieferkette ein – mit Selbstverpflichtungen oder Zertifizierungen. Doch sind sie bislang tendenziell benachteiligt gegenüber Unternehmen, die hierin weniger investieren. Auch dies soll das Gesetz nun ändern und in Deutschland gleiche Standards für alle schaffen.

Die Bundesrepublik zählt damit zu den Vorreitern unter den EU-Ländern, unter anderem neben Frankreich und den Niederlanden. In logischer Konsequenz ist aber auch ein Gesetz auf europäischer Ebene unabdingbar, um über die Landesgrenzen hinaus gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Hierfür hat das EU-Parlament bereits erste Schritte eingeleitet: Noch in diesem Jahr soll ein Vorschlag für ein sogenanntes Sorgfaltspflichtengesetz der EU auf den Weg gebracht werden.

Foto: Julian Mora / Unsplash