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Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz sicher umsetzen

Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz sicher umsetzen

BVA e.V. und VdG e.V. informieren Agrarhändler in ihrer Seminarreihe „Gut zu wissen im Agrarhandel“

Berlin/Hamburg, 27. Januar 2022. Welche Risiken bestehen in meiner Lieferkette? Wie richte ich ein Beschwerdemanagement ein? Und wie kann ich mein Unternehmen generell in Hinblick auf Sorgfaltspflichten rechtssicher aufstellen? Diese und weitere Fragen waren Inhalt eines knapp dreistündigen Online-Seminars am 25. Januar zum neuen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz des Bundesverbands Agrarhandel (BVA) e.V. und des Vereins der Getreidehändler der Hamburger Börse (VdG) e.V. Im Rahmen ihrer Online-Seminarreihe „Gut zu wissen im Agrarhandel“ gaben die beiden Branchenverbände Unternehmen die Möglichkeit, konkrete Handlungsempfehlungen von Expertinnen zu erhalten und Klarheit zu gewinnen.

„Bei vielen Unternehmen herrscht oft noch Unsicherheit, inwieweit sie von dem neuen Gesetz betroffen sind und welche Anpassungen in ihrem Betrieb notwendig sind“, erklärt BVA-Geschäftsführer Martin Courbier, der das Seminar moderierte. „Mit dem Seminar konnten wir konkrete, praktische Unterstützung geben und helfen, einige brennende Fragen zu klären.“ Die Verbände hatten Referentinnen geladen, die aus Unternehmensperspektive zeigten, wie eine Umsetzung gelingt, außerdem zwei Expertinnen des „Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte“. Als kostenloses Unterstützungsangebot der Bundesregierung berät der Helpdesk Unternehmen jeder Größe zur Umsetzung menschenrechtlicher Sorgfaltsprozesse. Die Referentinnen erläuterten die Anforderungen des Gesetzes und stellten nützliche Online-Tools vor: Der CSR-Risiko-Check hilft bei der Einschätzung der lokalen Menschenrechtssituation sowie Umwelt-, Sozial- und Governancethemen in einzelnen Ländern und für verschiedene Commodities. Der KMU-Kompass unterstützt bei der Umsetzung der Sorgfaltsprozesse in Unternehmen. „Es geht zunächst darum, die Risiken im eigenen Geschäftsbereich und in der Lieferkette zu identifizieren und mit entsprechenden Präventions- und Abhilfemaßnahmen zu begegnen“, so Sabine Peters-Halfbrodt, Beraterin beim Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte. „Ein Perspektivwechsel hilft außerdem dabei, eine umfassende Sichtweise auf die Situation zu erlangen: Welche Auswirkungen hat die Tätigkeit des Unternehmens auf die Menschen, die von den Aktivitäten des Unternehmens betroffen sein können?“ Als Fazit des Seminars wurde deutlich, dass die Umsetzung der Anforderungen zwar sehr individuell ist, Unternehmen aber viel Hilfestellung dabei erhalten können, die den Prozess erleichtern.

„Bei vielen Unternehmen herrscht oft noch Unsicherheit, inwieweit sie von dem neuen Gesetz betroffen sind und welche Anpassungen in ihrem Betrieb notwendig sind.“

Unter dem Namen „Gut zu wissen im Agrarhandel“ bieten BVA e.V. und VdG e.V. bereits seit Anfang 2021 praxisnahe Online-Seminare für Mitglieder und Nicht- Mitglieder an. Kommende Themen sind unter anderem Finanz-Themen, wie Kreditsicherung und Kunden-Bonität, oder auch Carbon Farming. Informationen dazu stellen die Verbände auf ihren Websites bereit.

Bundesverband Agrarhandel e. V.

Der Bundesverband Agrarhandel e. V. (BVA) ist die Interessenvertretung des Agrarhandels in Deutschland. Die BVA-Mitgliedsunternehmen bereiten die von der Landwirtschaft gelieferten Agrarrohstoffe, wie Getreide und Ölsaaten, qualitativ durch Trocknung und Reinigung auf und vermarkten diese Produkte als Nahrungs- und Futtermittel im In- und Ausland. Zudem vertreiben sie sowohl Saatgut, Pflanzenschutz- und Düngemittel als auch Futtermittel an die Landwirtschaft. Dem Agrarhandel kommt damit eine entscheidende Funktion in der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette zu.

Über den VdG e.V.:

Der Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse e.V. (VdG) ist der Bundesverband des internationalen Groß- und Außenhandels mit Getreide, Ölsaaten, Futtermitteln und Hülsenfrüchten und seit über 150 Jahren am Welthandelsplatz Hamburg das offizielle Sprachrohr der Branche. Er agiert als Dienstleister für seine Mitglieder und darüber hinaus als Partner von Verwaltung, Politik und Wirtschaft in Berlin, Bonn und Brüssel.

Pressekontakt:

Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse e.V.
Anika Nicolaudius
Öffentlichkeitsarbeit
Adolphsplatz 1
20457 Hamburg
Tel: +49 (0)40-369879-12
E-Mail: nicolaudius@vdg-ev.de

Bildnachweis: Miltiadis Fragkidis / Unsplash

Die Preise für Agrarrohstoffe steigen – was steckt dahinter?

Die Preise für Agrarrohstoffe steigen – was steckt dahinter?

Die Weltmarktpreise für Agrarrohwaren liegen auf dem höchsten Niveau seit über 10 Jahren (1). Im November 2021 hatte sich der Preisindex für landwirtschaftliche Erzeugnisse seit dem Vorjahresmonat um 27,3 Prozent gesteigert. Vor allem Getreide hat deutlich zugelegt – im Vergleich zu Oktober 2021 um ganze 3,1 Prozent. Dies merken wir bereits beim Einkauf im Supermarkt. Lebensmittel verteuerten sich zuletzt um 4,8 Prozent – und übertrafen damit die allgemeine Inflationsrate von 4,5 Prozent.

Doch woraus resultiert diese scheinbar unaufhaltsame Preisentwicklung, die Branchenexperten seit vergangenem Jahr beobachten?

Die Nachfrage übersteigt das Angebot

Der einfach ersichtliche Grund besteht darin, dass global die Nachfrage über einen längeren Zeitraum, seit etwa 2017/2018, das Angebot überstiegen hat. Dadurch wurden weltweit Bestände abgebaut, die zuvor als Puffer gedient und Schwankungen in Angebot und Nachfrage ausgeglichen haben. Zurückzuführen ist diese Diskrepanz zunächst auf eine Kombination aus Wirtschaftswachstum und Minderproduktion in einzelnen Regionen: Wetterbedingt schlechtere Ernten vor allem in Brasilien, Kanada, Russland und USA führten zu einer geringeren Verfügbarkeit von Getreide und Ölsaaten auf den Märkten. Gleichzeitig wuchs die Wirtschaft in den USA und in China und damit der Bedarf an Rohwaren. Während der ersten Phase der Corona-Pandemie hat sich außerdem global Nachfrage aufgestaut, die sich über das Jahr 2021 hinweg entladen hat. Aber noch weitere Faktoren zahlen auf die aktuelle Entwicklung ein.

Biokraftstoff-Quoten treiben Nachfrage nach Pflanzenölen

So führte die US-Wahl in 2020 zu einem Umschwenken in der Umweltpolitik des Landes: Fossilen Kraftstoffen sollten verstärkt Biokraftstoffe beigemischt werden. Diese Biodiesel-Mandate haben kurzzeitig den Bedarf an Pflanzenöl deutlich erhöht. Vor allem Palme, Soja, Mais und Raps werden für die Erzeugung von Biokraftstoffen eingesetzt. Mittlerweile hat die Regierung um Joe Biden die Beimischungsmenge wieder reduziert, was zu einer Entspannung des Marktes beitragen könnte. Hierzu dienlich waren auch die zwischenzeitlich sinkenden Rohölpreise. Sollte dieser jedoch, wie seit Mitte des Jahres, weiterhin steigen, so werden Biokraftstoffe wieder interessanter werden und ihre Verfügbarkeit könnte erneut sinken.

Erdgas- und Betriebsmittelpreise befeuern Produktionskosten

Auch Erdgas ist über die vergangenen Monate stetig teurer geworden und treibt die Kosten für die Produktion von Agrarrohstoffen in die Höhe. Doch nicht nur die Agrar- und Lebensmittelproduktion selbst sind von den gestiegenen Energiepreisen betroffen, sondern auch die Erzeugung von Betriebsmitteln. Gerade die Düngemittelproduktion benötigt viel Erdgas als Rohstoff und Energielieferanten: Bei der Herstellung von Ammoniak und Stickstoffdüngemittel macht Erdgas bis zu 80 Prozent der Produktionskosten aus. Aktuelle Produktionslücken könnten sich sogar noch auf die Ernte in 2022 auswirken. Hinzu kommt nun, dass wichtige Düngerexporteure, wie Russland und China, angefangen haben, die Ausfuhr von Stickstoffdünger über Quoten zu regulieren. Dies dämmt die Verfügbarkeit weiter ein.

Kurzfristig würde gegen den Nachfrageüberhang nur eine global höhere Produktion helfen. Diese wird allerdings durch unvorhersehbare Faktoren, wie das Wetter, beeinflusst und durch externe Größen, wie die Energie- und Betriebsmittelverfügbarkeit, begrenzt. Folglich werden die Verbraucher auch in den kommenden Monaten noch mit steigenden Lebensmittelpreisen rechnen müssen.

Foto: Robert Wiedemann / Unsplash

1: FAO = Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen